
Frank, Simon L.
Der Sinn des Lebens.
Mit einem Aufsatz über Religion und Wissenschaft. Hrsg. von Dierich Kegler. 2009. 158 S. 19,50 Euro. 14,8 x 21 cm. 978-3-89665-488-5. (Academia Philosophical Studies Bd. 34)
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Die Frage nach dem Sinn ist "wahrhaftig die Frage nach dem Brot, das uns sättigen und dem Wasser, das unseren Durst stillen würde. Tschechow beschreibt irgendwo einen Menschen, der sein ganzes Leben lang in einer Provinzstadt den Alltagsinteressen diente, wie alle anderen Leute log und sich verstellte, eine Rolle in der Gesellschaft spielte, von Geschäften in Anspruch genommen war, versunken in kleinlichen Intrigen und Sorgen - und plötzlich und unerwartet wacht er nachts mit starkem Herzklopfen und schweißgebadet auf. Was war geschehen? Es war etwas Schreckliches geschehen - das Leben war vorbei, und es war kein Leben gewesen, weil es in ihm überhaupt keinen Sinn gegeben hatte." Die Antwort Franks ist religiös, und sie wurzelt im Christentum, dem Fundament der russischen religiösen Philosophie, die, nach der russischen Revolution ins Ausland verbannt, heute in ihrer Heimat wieder große Anerkennung und Bewunderung findet.
Simon Frank, 1877 in Moskau geboren, wurde 1922 mit anderen bekannten Intellektuellen wegen "konterrevolutionärer Aktivität" aus Russland verbannt und lebte dann wie viele russische Emigranten zunächst in Berlin. Dort lehrte er bis 1937 an der Universität Geschichte der russischen Philosophie und Literatur. Auf der Flucht aus dem nationalsozialistischen Deutschland ging er nach Frankreich, von dort schließlich nach London, wo er 1950 starb. Er entstammt einer jüdischen Familie und trat 1912 zum orthodoxen Christentum über.
Frank ist als einer der profiliertesten russischen Philosophen des 20. Jahrhunderts anzusehen. Seine Lehre der All-Einheit in der Tradition Wladimir Solowjows ist Basis eines umfang-reichen philosophischen Werkes. Sein Denken verbindet ihn mit westeuropäischen und vor allem deutschen philosophischen Traditionen. Wichtiger Anreger ist ihm Nikolaus von Kues mit seiner Lehre von der "docta ignorantia", dem "wissenden Nichtwissen".
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